linkskatholisch Armin Rena

Gut 300 Jah­re ist es her, dass Hie­ro­ny­mus Carl Fried­rich Frei­herr von Münch­hau­sen (* 11. Mai 1720) gebo­ren wur­de, bes­ser bekannt als „Lügen­ba­ron Münch­hau­sen“. In sei­nen Erzäh­lun­gen berich­tet er von unzäh­li­gen aben­teuerlichen und fan­tas­ti­schen Geschich­ten, am bekann­tes­ten wohl sein Ritt auf einer Kanonenkugel. 

Die „Lügen­ge­schich­ten“ von Münch­hau­sen sind so ab­surd und gegen alle Regeln der Logik, dass man sich fra­gen muss, ob es sich dabei tat­säch­lich noch um Lügen han­delt — kaum jemand käme heu­te wohl auf die Idee, sie für bare Mün­ze zu nehmen.

Zugleich kann man sich dann natür­lich aber fra­gen, war­um heu­te ande­re ernst genom­men wird, was ganz offen­sicht­lich falsch oder ge­lo­gen ist — ein ame­ri­ka­ni­scher Ex-Prä­si­dent dien­te hier­für in den ver­gan­ge­nen Jah­ren als täg­li­ches Anschauungsobjekt.

Mög­li­cher­wei­se möch­ten ja man­che Men­schen auch in be­stimm­ten Situa­tio­nen ein­fach ange­lo­gen wer­den oder sich selbst etwas vor­gau­keln: Das Leben wäre ja wohl auch ein­fa­cher, wenn wir uns ein­re­den könn­ten, dass es den Kli­ma­wan­del und Um­welt­pro­bleme ein­fach gar nicht gibt. Und es ist auch ein­fa­cher, wenn man alles, was im Leben schief läuft, auf ande­re Men­schen, die Umstän­de, unglück­li­che Zufäl­le usw. abwäl­zen könnte.

Sich die Welt so zurecht zu bie­gen, wie es am be­sten ins eige­ne Kon­zept passt — das klingt erheb­lich ein­fa­cher (und auch unter­halt­sa­mer!) als immer der har­ten Re­a­lität ins Auge zu blicken.

Und doch scheint die Wahr­heit einen beson­de­ren Wert zu haben — schließ­lich möch­te man doch selbst ent­schei­den, wie man mit Infor­ma­tio­nen umgeht und die­se nicht schon gefil­tert, vor­sor­tiert oder mani­pu­liert erhal­ten. Lang­fris­tig könn­te es mit dem Ver­trau­en schwie­rig wer­den gegen­über einer Per­son, die einen anlügt. Und nicht zuletzt hat es auch etwas mit Macht zu tun – wer Din­ge ein­fach behaup­tet ohne sie an der Wirk­lich­keit mes­sen zu müs­sen, der kann auch bestim­men, was gilt und was nicht

Auch das Johan­nes-Evan­ge­li­um ist über­zeugt, dass die Wahr­heit einen beson­de­ren Wert hat: „Wer aber die Wahr­heit tut, der kommt zum Licht“ – so heißt es heu­te im Evan­ge­li­um. Wer sich der Rea­li­tät stellt, wer sich selbst nichts vor­macht, der fin­det zu Gott — davon ist der Ver­fas­ser des Johan­nes-Evan­ge­li­um überzeugt.

Aber man kann das wohl auch umdre­hen: vor Gott muss man sich gar nichts vor­ma­chen, um bes­ser da zu ste­hen oder sich die Welt zurecht­zu­bie­gen. Gott will dich so wie du bist – und dazu gehört eben auch all das, was im Leben nicht per­fekt läuft; alles, was auf den ers­ten Blick schwie­rig, kom­pli­ziert und über­for­dernd wirkt.
Wenn Gott aber jedem Men­schen zutraut, der Wirk­lich­keit ins Ange­sicht zu sehen — dann kön­nen wir Men­schen das viel­leicht auch. 

»Wer die Wahr­heit tut, der kommt zum Licht“ — viel­leicht ist das ja ein ganz guter Indi­ka­tor, was es heißt, „die Wahr­heit zu tun“: so zu leben, dass man kei­ne Lügen­ge­schich­ten um sich selbst in ein bes­se­res Licht zu rücken, oder aus Angst, sonst sein Leben in unse­rer anspruchs­vol­len Welt nicht bestehen zu können

Schreibe einen Kommentar

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner