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Andacht am Karfreitag: »Das Kreuz — meine Gedanken«

10. April 2020  @ 15:00 16:00

Am Kar­frei­tag steht der Tod Jesu am Kreuz im Zen­trum unse­rer Auf­merk­sam­keit. Des­halb wol­len wir in einer Online-Andacht das Kreuz in den Mit­tel­punkt stel­len und sei­ne Bedeu­tung für uns ganz per­sön­lich nachgehen. 

Gedanken zum Kreuz

Am Anfang die­ses Jah­res hat sich wahr­schein­lich nie­mand von uns vor­stel­len kön­nen, was für ein chao­ti­sches und oft­mals erschüt­tern­des Früh­jahr uns da bevor­steht. Das Coro­na-Virus ist seit eini­gen Wochen und Mon­ta­ge DAS The­ma, das uns alle im Griff hält und das unse­ren kom­plet­ten All­tag durch­ein­an­der gewir­belt hat. Wir sehen und jetzt plötz­lich kon­fron­tiert mit Ein­schnit­ten und Ver­än­de­run­gen, und stel­len fest, dass vie­les, bei dem wir uns bis­her in Sicher­heit gewo­gen haben, doch gar nicht so sicher ist.

Ich könn­te mir vor­stel­len, dass sich die Anhän­ger Jesu damals ähn­lich gefühlt haben könn­ten, als sie bei der Kreu­zi­gung Jesu sehen, dass alles, wor­an sie geglaubt haben und was ihnen Halt gege­ben hat, plötz­lich zer­stört wird und dass ab jetzt nichts mehr so sein wird wie vor kurzem.

Wenn ich zurück den­ke, war Ostern bis­lang immer eine Zeit, in der ich nach Hau­se gefah­ren bin zu mei­ner Fami­lie – und so geht es wahr­schein­lich vie­len von uns. Aber die­ses Jahr müs­sen wohl die meis­ten die Oster­ta­ge allein ver­brin­gen. Ich kann vor­stel­len, dass sich vie­le Men­schen schon seit Beginn der Aus­gangs­be­schrän­kun­gen ein­sa­mer und iso­lier­ter fühlen.

Viel­leicht hat sich ja auch Jesus damals, in den letz­ten Tagen vor sei­nem Tod, allei­ne gelas­sen gefühlt und war auch manch­mal ver­zwei­felt oder unsi­cher. Es ist also ganz gut, sich gera­de jetzt in Erin­ne­rung zu rufen, was Ostern für uns bedeu­tet: dass es nicht bei der Dun­kel­heit und der Trau­er des Kar­frei­tags blei­ben wird. Die Ver­zweif­lung und die Angst wer­den vor­über­ge­hen und neu­es Licht wird erschei­nen. Dadurch, dass Jesu Glau­be den Tod über­wun­den hat, dar­aus kön­nen wir Kraft schöp­fen – für die aktu­el­le schwie­ri­ge Zeit, aber auch für ande­re dunk­le Pha­sen in unse­rem Leben. Weil wir uns durch alles hin­durch immer beglei­tet wis­sen dür­fen, so wie auch Jesus damals nie wirk­lich allein war.

Lisa Schind­ler

Wenn man die christ­li­che Kon­no­ta­ti­on vom Kreuz ent­fernt, wel­che Asso­zia­tio­nen blei­ben noch? Das Kreuz als schwe­re Last; als Bür­de, unter der man zu zer­bre­chen droht. Wor­un­ter selbst Jesus zusam­men­ge­bro­chen ist. Und doch etwas, das jeder für sich selbst zu tra­gen hat. Das Kreuz als Demü­ti­gung, an dem Ver­bre­cher nackt und zer­schun­den zur Schau gestellt wur­den. Das Kreuz als grau­sa­me, bes­tia­li­sche Hin­rich­tung; ein lang­sa­mer und qual­vol­ler Tod.

Wie kommt es, dass etwas so schreck­li­ches wie das Kreuz zum Sym­bol einer Reli­gi­on gewor­den ist, die doch auf Lie­be basie­ren soll­te? Mei­ne Tan­te hat mal gemeint, wie es selt­sam es doch ist, dass wir Katho­li­ken doch über­all sehr rea­lis­ti­sche Kreu­zi­gungs­dar­stel­lun­gen haben: in unse­ren Kir­chen, in unse­ren Häu­sern, ja oft sogar um unse­ren Hals, als ob wir uns an Jesu Leid ergöt­zen wür­den. Einem Leid, dem er sich frei­wil­lig aus­ge­setzt hat, für uns gestor­ben ist auf eine bru­ta­le, demü­ti­gen­de und sehr schmerz­haf­te Art und Wei­se; selbst und gera­de für die Men­schen, die in zu die­sem Schick­sal ver­ur­teilt hat­ten. Aus einer Lie­be her­aus, die grö­ßer ist als alles, was wir uns vor­stel­len kön­nen; die durch nichts ange­mes­sen beschrie­ben oder dar­ge­stellt wer­den könnte.

Und weil wir nie ein ange­mes­se­nes Sym­bol für die­se Lie­be fin­den wür­den, haben wir statt­des­sen das Sym­bol für sein Leid ange­nom­men, das aus die­ser Lie­be ertra­gen wur­de. Zum Zei­chen dafür, dass unser Gott kein gleich­gül­ti­ger Herr­scher ist, der uns aus der Fer­ne beob­ach­tet und mit unse­rem Schick­sal spielt, son­dern unser Vater und unse­re Mut­ter, unser Schöp­fer und unser Bru­der; jemand, der Anteil an unse­rem Leben nimmt und des­sen Lie­be für uns alle Vor­stel­lun­gen sprengt.

Ali­na Scheklaukov