Kritische Präsenz: Campusgemeinde & Social Media

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Social Media bestimmen unseren Alltag und unsere Freizeit, aber auch viele gesellschaftlichen Prozesse in den Medien, der Wissenschaft, der Politik. Wir können uns ein Leben ohne sie gar nicht mehr vorstellen.

Auch in der Kirche und in unserer Campusgemeinde machen wir davon Gebrauch. Wir wollen da sein, wo die Menschen unterwegs sind und sie in ihrer Lebenswelt erreichen. Zugleich aber ist es uns wichtig, dass wir uns gegenüber der Macht dieser Medien nicht unkritisch verhalten.

Wir wissen alle, dass die digitalen Medien im Grunde von wenigen weltweit operierenden Großkonzernen beherrscht werden. Und wir wissen auch, dass diese Macht hochproblematisch ist. Die Angebote von Facebook, Instagram, WhatsApp, Google & Co, bezahlen wir mit der Preisgabe unserer Privatsphäre und vieler höchstpersönlicher Daten. Die Algorithmen der Social Media-Konzerne kennen unser Kaufverhalten, unsere Hobbies, unsere politischen Ansichten, sogar unser Beziehungsverhalten und unsere sexuellen Präferenzen. Und mit jeder Nutzung füllen wir sie bereitwillig mit noch mehr Daten.

Mittlerweile wird auch immer klarer, dass diese Medienmacht geeignet ist, nicht nur unsere persönliche Freiheit, sondern auch unsere Demokratie zu gefährden. Sogar Wahlen können durch manipulierte Anzeigenkampagnen und intransparente Algorithmen beeinflusst werden. Kritische Wissenschaftler wie etwa der Technikfolgenexperte Armin Grunwald, Mitglied im Deutschen Ethikrat, warnen davor, dass Facebook & Co. „keiner demokratischen Kontrolle mehr unterliegen, […] aber das Verhalten von hunderten von Millionen Menschen prägen.“ Dass die Social Media-Konzerne sich letztlich nicht an die Demokratie gebunden fühlen, zeigten erst kürzlich die Enthüllungen der Whistleblowerin Frances Haugen. Die Analysen und Warnungen vor diesen Gefahren sind beinahe schon endlos – aber wir ignorieren und verdrängen sie einfach, weil ein Umdenken unbequem für uns wäre. Wir begehen hier denselben Fehler wie bei der jahrzehntelangen Verdrängung des menschengemachten Klimawandels.

Eine solche kritiklose Kumpanei mit den Mächtigen passt aber nicht zu dem, wie wir in der Campusgemeinde Kirche verstehen. Wir wenden uns gegen jede Form von Machtmissbrauch: in der Kirche, aber auch in der Gesellschaft. Die jüdische und christliche Bibel zeigt uns die Propheten ebenso wie Jesus als unerschrockene Kritiker der Mächtigen. Sie sprechen aus, wovor andere aus Bequemlichkeit oder Feigheit zurückscheuen und sie benennen gesellschaftliche Missstände, unter denen besonders die Armen und Machtlosen zu leiden haben. In der Geschichte der Kirche haben sich immer wieder Menschen von dieser Tradition inspirieren lassen und haben Widerstand geleistet gegen das scheinbar Selbstverständliche.

Natürlich ist es eine große Herausforderung, die komplizierten und differenzierten Prozesse einer modernen Gesellschaft kritisch zu analysieren und sinnvolle Veränderungen herbeizuführen. Mit Vereinfachungen und populistischen Parolen ist niemandem geholfen. Aber wir können selber etwas tun, jeder und jede von uns persönlich und miteinander in unseren Communities und auch in unserer Campusgemeinde: Wir können unseren Mediengebrauch kritisch reflektieren, wir können uns überlegen, welche Daten wir preisgeben wollen, auf welchen Plattformen wir wirklich unterwegs sein möchten, welcher Technik und Software wir uns bedienen.

Als Campusgemeinde haben wir hier in der Vergangenheit schon immer wieder auf Alternativen hingewiesen, haben einen Workshop im CIP-Pool der Uni zu Linux durchgeführt, haben zusammen mit der „Binary Kitchen“ über die Algorithmen von Facebook informiert und auch alternative Messenger-Apps empfohlen.

Daran möchten wir zukünftig wieder verstärkt anknüpfen. Als ersten Schritt dazu sind wir ab sofort auch auf einer alternativen SocialMedia-Präsenz vertreten, „social.campusgemeinde.de„. Damit sind wir Teil eines freien, offenen und demokratischen sozialen Netzwerks, dem sogenannten „Fediverse„. Hier können sich alle beteiligen, ohne an das Monopol eines bestimmten Anbieters gebunden und dessen Algorithmen und Datensammeln unterworfen zu sein. Hier findet ihr zukünftig alle Termine und wichtigen Mitteilungen der Campusgemeinde. Wir werden diesen Service nach und nach weiter ausbauen und auch in weiteren Beiträgen in den kommenden Wochen über die Möglichkeiten freier Sozialer Medien informieren. Wenn ihr vielleicht die Nase von Facebook & Co. eh schon längst voll habt und bisher nicht wusstet, welche Alternativen es gibt, dann schaut doch auf social.campusgemeinde.de vorbei – und gestaltet mit!

Bild (c) PrettyVectors / Adobe Stock

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